Das OBS V – Fazit. Who’ll Stop The Rain...


Mann-oh-Mann. Irgendwann musste es ja passieren, dass uns unser Festival im Wortsinne absäuft. Den Leuten, die das ausgehalten haben und sich trotz widrigster Umstände offensichtlich Freude und Begeisterungsfähigkeit bewahrten gilt unser herzlichster Dank und all unser Respekt. Unglaublich - es schüttet wie aus Kübeln und Ihr steht da und lasst Euch nicht unterkriegen.

Wir selbst und durchgängig alle Bands sind und waren begeistert. Es menschelte allüberall. Das Wort "rewarding" war in diesem Zusammenhang das meistgebrauchte. Noch vor "unbelievable". Ich denke, dass Euer Stehvermögen uns, die wir bereits am Samstag leicht frustriert darüber nachdachten, ob es das OBS überhaupt weiterhin geben wird,  davon überzeugt hat, weiter zu machen. Da wird einem ohne Unterlass vor Augen gehalten, wofür man sich die ganzeMühe macht. Und warum das OBS offensichtlich nicht nur in unseren eigenen Augen etwas Besonderes ist. Ihr habt uns, auch wenn das jetzt sehr pathetisch klingt, so viel zurückgegeben, dass wir davon noch lange zehren werden.
Wie Hazeldine es ausdrückten: Der eindeutige Star der Veranstaltung ist das Publikum. Exakt. Nochmals Danke. Für uns war es nicht zuletzt wegen des fantastischen Publikums, aber auch wegen des stimmigen künstlerischen Gehalts und des „we are family“-Spirits das schönste OBS ever. Punkt.

Auch musikalisch: Sehr gelungen. Von vorn: Das JIM WAYNE SWINGTETT polarisierte offensichtlich. Wir haben uns gefreut, dass man ohne jegliche Rockhuberei sich charmant am Abgrund des Machbaren langhangelt. Wie auf `ner Veranda in Lousiana erdacht und ausgeführt.
NEAL CASAL war solo bezaubernd. Sehr viel lockerer als früher, stimmlich und in der Auswahl seiner über jeden Zweifel erhabenen Songs sehr überzeugend. Dass der letztjährige „Headliner“ das diesjährige Fest eröffnete, ist schon allein Zeichen seiner Güte.
C*CLAY sind jung. Und klasse. Das Erstaunen vieler Anwesender ob ihrer sehr gelungenen Performance war uns eine Freude. Ihr tretet echt Arsch, Jungs. Wer die Black Crowes mag, wird Euch hinterherreisen.
Dann, die Gods Of Thunder.... das muss man erstmal bringen, so wie SAVOY GRAND
  lediglich zwei gehauchte Akkorde pro Minute zu geben. Dass Graham gar eine Saite riss...tststs. Sehr schön, sehr anders, kontemplativ und sehr faszinierend.
STEVE WYNN & THE MIRACLE 3 rockten das Haus. Und wie. Der vielleicht beste Auftritt, den ich je von ihm nach Dream Syndicate gesehen habe. Das Publikum: frenetisch.
Der folgende Auftritt der GO TO BLAZES wird uns immer unvergesslich bleiben. Sie klangen, als habe es die vier Jahre seit Bandauflösung nie gegeben. No Mercy, Bloody Sam, Who’ll Stop The Rain - ich habe tatsächlich geweint, als sie spielten. Vor Glück. Kein Witz. Und die Band weinte ebenfalls, anschliessend. Alle waren emotional tief berührt. Das sind Momente, in denen man weiss, warum man nicht bei einer Landesbausparkasse oder in der gottverdammten dotcom-Hölle arbeitet.
HAZELDINE erwischte das Wetter am Schlimmsten. Obwohl der Auftritt wegen Bühnenüberschwemmung ständig kurz vor dem Abbruch stand, spielten sie den überzeugendsten ihrer bisherigen OBS-Gigs. Dass Neal Casal an Gitarre und Chorgesang sowie John Hummel am Schlagzeug eine mehr als gute Wahl waren war offensichtlich. Dass ausserdem ihre neuen Songs vor Charme und Abwechslung sprühen, und dass Tonya (im siebten Monat schwanger), Shawn und Anne ihre Aufgabe mit Bravour und Größe meisterten, nicht minder.
WAKE ME WHEN I’M UNDER, das geheime Gemeinschaftsprojekt bestehend aus Chris & Carla und Willard Grant Conspiracy, war ein erhebender Abschluss des Samstags. Man sitzt im Halbkreis, covert Talk Talk, Freedy Johnston und sich gegenseitig. Überschön.

Am Samstag wurde erstmal die verheerende Schlammwüste mit Rindenmulch bedeckt.

Dann machte TOM HEYMAN, begleitet von Willard Grant’s David Michael Curry an der Viola, klar, warum seine Entscheidung, eigene Songs zu schreiben und darzubieten, richtig war. Ein etwas anderer unter den Solokünstlern.
RETO BURRELL und Band dürften der landes-untypischste Exportartikel der Schweiz sein Sehr zugänglicher, melodischer mid-tempo Rock mit schönen Melodien. Man tourt übrigens stilvoll im PKW mit Skibox!
Dass mit 25 GREEN WAY Staat nur im Lande Zunge-in-der-Backe zu machen sein würde, war vorher klar. Wenn die Nebelmaschine nicht ihren Geist aufgegeben hätte, wäre es eine schmissig-sakrale Spinal Tap-Show geworden. So war es schmissig und kurz. Hey- mit dem eigenen Sohn zusammen aufzutreten ist fast wie mit ihm Fussball zu spielen. Uns hat es sehr viel Spass gemacht.
Dass BIG IN IOWA jederzeit ihren in Bars geräucherten Rock aus dem Ärmel zu schütteln in der Lage sind wurde während ihres Auftritts ebenso deutlich wie die Belastbarkeit unseres Bühnenpodestes („Da kannst Du `nen Panzer drüberjagen, da vibriert nichts!“). Einer meiner erklärten Lieblinge, THE GREAT CRUSADES, spielten dann hingebungsvollen, differenzierten, ja genau: Rock. In gut. Ganz grossartige Show von grossartigen Kerlen. Publikum und Band freuten sich wie Bolle.
Und. Dann. Das, was in seiner Ausstrahlungskraft, in seiner Geisteshaltung, in seiner Fülle und emotionalen Dichte bisher so noch nicht da war und schwerlich jemals in der weiteren OBS-Geschichte zu überbieten sein wird.
LAZY HORSE. Go To Blazes zusammen mit Chris & Carla. Verstärkt durch Neal Casal, Shawn Barton und den einen oder anderen Gast. Der rundeste, erhebendste, stimmungsvollste Neil Young-Cover-Set, der je entzückte Ohren und Augen traf. Was für ein Spektakel. Die Krönung. Die ultimative Abfahrt. Vermutlich eines der einschneidendsten musikalischen Erlebnisse im Leben der meisten Anwesenden. Worte sind zu gering, um es zu fassen. Ich habe, erneut, geweint. Wie ein glückseliger Schlosshund. Seelenfutter von bleibendem Ausmaß. Menschen am Randes des endorphin- und adrenalinbedingten Nervenzusammenbruchs. Ich wünschte, dieser Auftritt hätte nie enden müssen. Zu toppen ist das nicht.
Schon wieder unglaublich, dass anschliessend, von feuchten Katzen und Hunden bombardiert, das Publikum auch bei den FRIENDS OF DEAN MARTINEZ aushielt. Ihre im Sitzen dargebrachten, stimmungsvollen, sehr dynamischen Instrumentals, die Morricone und Pink Floyd auf dem Weg nach Las Vegas gemeinsam in einen Cadillac Eldorado setzen, waren der stimmige Abschluss einer wahrlich unvergesslichen Sause. Himmel. Das OBS V war in vielfacher Hinsicht extrem.

Wie immer an dieser Stelle: Der Aufruf, uns möglichst haufenweise Photos, Videos und Tondokumente zukommen zu lassen. Die Tondokumente benötigen wir u.a. deshalb, da auf Grund der f*ckenden Feuchtigkeit nur vier Kanäle unsereres 8-Spur-Aufnahme-Gerätes funktionierten. Mal sehen, was wir daraus basteln können. Wir verlosen wieder Überraschungspreise unter allen Einsendern!

 

Ein GROSSES DANKE dem unglaublichen Glitterhouse-Team: Thorsten, Christopher, Uli, Astrid, Tacki, Matthias, Judith, Tanja,Yvonne, Alexander, Roman, Tanja 2, Nina, Sascha, Jens, Stefan, Steffen, Christoph, Ingolf, Wulf, Reinhard, Lutz, Archie, Yannick, David, Basti, Henne und Sebastian und ein extra-supergrosses DANKE an Martin, den besten Stage Manager und liebenswürdigsten Mitarbeiter vonne Welt. Ihr seid die Besten. Mit Euch allen zu Arbeiten und Euch zu kennen ist klasse.

Ausserdem ein grosser Dank an Thorsten, Jochen und Co. für die reibungslose, belastbare, immer gut gelaunte und brillante Technik, an alle Bands, Touragenten und Tourbegleiter natürlich, an Vera für Deine Geduld, an das Team des DRK, an das Paar, das sich des herrenlosen Hundes liebevoll annahm (schickt mal ein Photo, wenn der Wauzi Nachwuchs bekommt), an den Mailorderkunden Daniel Pecher, der seine tatkräftige Mithilfe während der Vorbereitungen anbot, an unsere Sponsoren, ohne die das OBS in diesem Jahr nicht so besonders ausgesucht besetzt gewesen wäre, an Jürgen Peschel für die wie immer beeindruckende Gestaltung von Plakaten und Tickets, an Willi Vössing für das E-Piano, an Wolfgang Budde für die technische Unterstützung, an Jens Schaperdot und Stefan Hake für Radlader und Rindenmulch, an Hans-Ulrich Pieper für den schönen Anstrich, an die Nachbarn Bernhard Nolte, Karl-Heinz Rochell und Johannes Böhner für ihre Hilfsbereitschaft, an alle Anwohner, an den Rasen, der bestimmt wiederkommt, an Titto Dewenter für feiertägliche Sonderschichten, an das Bewirtungspersonal, an Heiko und Michael für die Kamera (Jungs, wenn ihr das veröffentlicht, trinke ich nie wieder ein Bier mit Euch!). Dank sei auch Rat und Verwaltung der Stadt Beverungen gesagt, insbesondere den Ratsmitgliedern Andreas Rochell, Martin Dierkes, Jürgen Neumann und Walter Frischemeyer sowie Bürgermeister Walter Herold, dem Beigeordneten Christian Haase, Herrn Maibom, Herrn Kamischke, Schwimmeister Wilfried Tillmann und Herrn Hermann-Josef Sander.

Aber ganz besonders...Euch. Bleibt so, wie Ihr seid. Wir lieben Euch.

Bis dann.

 

Rembert